Hintergrund
Der Naturpark Karwendel ist einer der größten und ökologisch intaktesten Schutzgebiete im Alpenraum. Seine Landschaft reicht von Kalksteinmassiven über uralte Fichtenwälder bis zu Hochmooren und dem Isar-Ursprung. Über 10.000 Tier- und Pflanzenarten leben hier, viele davon von der IUCN als gefährdet eingestuft.
Mehr als 1,2 Mio Tourist*innen nutzen das Karwendel jährlich als Erholungs- und Freizeitort – er ist Kulturlandschaft und zugleich Zentrum regionaler Wirtschaftsleistung. Doch er ist mehr als das. Der Naturpark ist kritische Infrastruktur. Seine Wälder und Gewässer versorgen Innsbruck mit 95% seines Trinkwassers, regulieren Hochwasser und schützen umliegende Dörfer vor Lawinen und Muren. Insgesamt liefert der Park Ökosystemleistungen im Wert von rund 150 Millionen Euro.
Trotz dieser zentralen Rolle bleibt der wirtschaftliche Beitrag des Karwendel oft unsichtbar: die Ökosystemdienstleistungen des Naturparks werden nicht nachhaltig finanziert, obwohl sie wirtschaftliche Tätigkeiten in der Region überhaupt erst ermöglichen. Gleichzeitig wächst der Nutzungsdruck durch Tourismus, Forst- und Landwirtschaft, während Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen, Trockenheit, Muren und Erosion Siedlungen, Infrastruktur und landwirtschaftliche Flächen bedrohen.
Genauso wie Straßen, Wasserinfrastruktur oder Stromnetze sollte auch der Naturpark langfristig auf einer soliden Finanzierungsbasis stehen. Bisher ist das nicht der Fall: Sein Wert für die Region – seine Ökosystemleistungen sowie sein intrinsischer Wert als intaktes Ökosystem – müssen besser anerkannt und finanziert werden.

Ein neues Modell für den Schutz des Karwendel
Der Alpenverein München & Oberland, der Naturpark Karwendel Verein und The Landbanking Group haben sich deshalb zusammengeschlossen, um ein neues Finanzierungsmodell zu entwickeln. Ziel ist es, den Wert des Parks als kritische Infrastruktur sichtbar zu machen:
Als erster Schritt setzen wir eine regionale Natur-Dateninfrastruktur auf: Damit werden ökologische Daten zu Biodiversität, Kohlenstoff und Wasser zentral erfasst und ihr wirtschaftlicher Wert messbar gemacht.
Dies dient als Grundlage, um in einem zweiten Schritt ein neues Finanzierungsmodell aufzubauen. Der entscheidende Paradigmenwechsel: Naturschutz wird nicht als Subvention oder Spende, sondern als Investition in essenzielle Infrastruktur verstanden. Intakte Ökosysteme erbringen quantifizierbare Leistungen, die andernfalls nur mit erheblichem Kapitalaufwand ersetzt werden könnten oder gar nicht ersetzbar wären. Genau diese Ökosystemdienstleistungen sollten finanzierbar werden – als Kapitalanlage oder als Zahlung für nachgewiesene Leistungen.
Das Modell setzt dabei auf neueste Technologie, Transparenz und regionale Partizipation. Ansässige Unternehmen, öffentliche Partner und die DAV-Community erhalten neue Anreize und Instrumente, um durch wirkungsorientierte Investitionen den langfristigen Schutz des Parks zu sichern.

Wohin fließt das Kapital?
Finanziert wird der Schutz des Parks: Maßnahmen, die dafür sorgen, dass Wildflüsse und Moore geschützt bleiben und Schutzwälder sowie Naturreservate unberührt bleiben.
Oft ist dabei die konsequente Begrenzung menschlichen Eingriffs der wirksamste Beitrag zum Schutz der Ökosysteme: Der Verzicht auf intensive Beweidung schützt Moore als CO2-Speicher, der Schutz des Bergwaldes vor Übernutzung sichert Wasser- und Erosionsschutz, und das Freihalten alpiner Quellgebiete erhält eine Trinkwasserinfrastruktur, die sich nicht ersetzen lässt. Der Finanzierungsbedarf liegt daher im gezielten Management der bestehenden grünen Infrastruktur durch Monitoring, Besucherlenkung, Governance sowie Restaurierungs- und Schutzmaßnahmen.

Unsere Projektpartner
Alpenverein München & Oberland
Der Alpenverein München & Oberland zählt mit über 200.000 Mitgliedern zu den größten Sektionen des Deutschen Alpenvereins. Er entstand 1999 aus dem Zusammenschluss der Sektionen München (1869) und Oberland (1874). Als Naturschutzverband setzt er sich dafür ein, das Ökosystem und die Wildnis der Gebirge als primäres Betätigungsfeld für den Bergsport dauerhaft zu erhalten.
Als Kernpartner sorgt der Alpenverein München & Oberland im Projekt für die Abstimmung zwischen den Organisationen, für die strategische Projektentwicklung, Involvierung seiner Mitglieder und Einbettung der Projektergebnisse auf Vereinsebene.
Naturpark Karwendel Verein
Der Naturpark Karwendel Verein wurde 2008 gegründet und verantwortet den Schutz und die nachhaltige Entwicklung des Karwendel Naturparks. Er koordiniert Naturschutz, Besucherlenkung und Umweltbildung und bringt Gemeinden, Hüttenwirt*innen und andere Stakeholder des Parks zusammen. Im Projekt vertritt der Verein die Belange des Naturparks, koordiniert die Zusammenarbeit der beteiligten Organisationen und sorgt für eine abgestimmte, wirksame Umsetzung.
Stiftung Globale Nachhaltigkeit (SGN)
Der Klimawandel und der fortschreitende Verlust natürlicher Ressourcen sind zentrale Herausforderungen unserer Zeit. Die Stiftung Globale Nachhaltigkeit (SGN) setzt sich dafür ein, dass innovative Lösungen in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft entwickelt und umgesetzt werden, die ökologische Nachhaltigkeit mit wirtschaftlicher Entwicklung in Einklang bringen.
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